Nicäa und Bursa

Bosporus

Am 3. Studientag haben wir uns auf die Reise über Nicäa nach Bursa gemacht. Unser Weg begann allerdings mit einer Fahrt auf dem Bosporus: vom Goldenen Horn entlang der europäischen Seite und kurz vor der zweiten Bosporus-Brücke hinüber zur asiatischen Seite. Dort wartete der Bus auf uns für eine lange Überlandfahrt.

Schifffahrt

Zunächst ging es unter einer niedrigen Brücke am Goldenen Horn hindurch in den Bosporus. Auf der linken - europäischen - Uferseite fällt der Blick schnell auf große Prachtbauten. Der Dolmabahce Palast wurde 1853 fertiggestellt und manifestiert ein letztes Aufbäumen des Herscherwillens der osmanischen Sultane. Hier starb auch Atatürk und sein Sterbezimmer wurde nicht verändert. Im mittleren Trakt liegt der Thronsaal des Sultans mit Regierungsräumen und Privatgemächern.

Nicäa

Nicäe ist heute ein kleiner, eher unbedeutender Ort. Es gibt noch Reste einer großen Stadtmauer. Die Handwerkerhütten, in denen hörbar gearbeitet wurde, machten einen sehr bescheidenen Eindruck.

Von Mai bis Juli 325 fand in Nicäa, heute Iznik, das Konzil statt, dem wir das noch heute geläufige Nicänische Glaubensbekenntnis verdanken. Die Lokalitäten gehörten vermutlich zu einem kaiserlichen Palast.

Nachdem Kaiser Konstantin I. seit ungefähr 313 das Christentum privilegiert hatte, erhoffte er sich vom Christentum eine stabilisierende Wirkung für die Einheit des römischen Reiches. Dem Kaiser war es sehr wichtig, den Religionsfrieden zu sichern und eine Spaltung des Christentums zu verhindern.

Die Spaltung drohte durch Streitigkeiten über die Frage, wer 'Jesus Christus' ist. Die 'Arianer' unter Arius betonten eine absolut monotheistische Theologie. Die Einzigartigkeit des einen Gottes darf nicht verletzt werden. Jesus Christus wurde die Gottheit abgesprochen; er ist nur das vornehmste Geschöpf Gottes.

Auf Seiten von Bischof Athanasius argumentierten die Gegner des Arius, dass seine Lehre die christliche Gotteslehre durch einen Polytheismus ersetze und nicht durch Monotheismus: Gebete zu Jesus Christus seien nicht mehr möglich. Die Taufe im Namen von Vater, Sohn und Heiligem Geist wird unsinnig. Die Erlösung durch Jesus Christus ist undenkbar.

Die Trinitarier wollten kein doppeldeutiges Bekenntnis. Gott und Jesus Christus, sind "wesenseins", lateinisch 'consubstantialis' (von gleicher Substanz). Der Kaiser selbst ordnete an, das Bekenntnis entsprechend zu formulieren.

Bursa

Bursa mit gut 3 Millionen Einwohnern ist eine wichtige Industriestadt der Türkei, vor allem ist hier eine sehr starke Autoindustrie angesiedelt.

Im Auftrag von Sultan Bayezid I. wurde die Ulu Cami, die größte Moschee der Stadt von 1396 bis 1399 gebaut. Ursprünglich hatte der Sultan für eien Sieg in der Schlacht von Nicopolis im Jahr 1396 den Bau von 20 Moscheen versprochen. Dafür aber reichte wohl das Geld nicht und er ließ eine Moschee mit 20 Kuppeln bauen. Je fünf Kuppeln sind in vier Reihen angeordnet und werden von 12 Säulen getragen.

Eigentlich müssen die rituellen Waschungen vor dem Betreten einer Moschee draußen ausgeführt werden. Wegen der manchmal ungünstigen Wetterverhältnisse hat diese Moschee im Innern einen großen Brunnen mit Waschplätzen und einer gläsernen Kuppel darüber, so dass die rituellen Waschungen doch unter klarem Himmel vollzogen werden können.

192 Kalligraphien verzieren an Wänden und Säulen das Innere der Moschee.

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