Sienna

Siena wurde auf drei schmalen Hügeln erbaut - nicht in der Ebene, wie Florenz. Das mittelalterliche Stadtbild von Sienna ist erstaunlich gut erhalten geblieben.
Von Plinius und Tacitus wurde Sienna "Urbs Lupata", Stadt der Wölfin, genannt. Darum sahen im Mittelalter die Menschen in Sienna eine enge Verbindung zu Rom. Gerne wurde folgender Gründungslegende geglaubt: Zwei Söhne des Remus, Aschinus und Senius, mussten vor ihrem Onkel Romulus fliehen. Bei ihrer Flucht in die Sieneser Hügel führten sie die römische Wölfin mit und gründeten das Kastell Senio.
Durchgehend sahen sich Florenz und Sienna als Rivalen; beide Städte führten häufig kriegerische Auseinandersetzungen.
1348, nach einer langjährigen Blütezeit mit einer großen Kunstepoche, wütete in Sienna die Pest. Zwei Drittel der Bewohner starben. Das ehrgeizige Projekt der "Großen Kathedrale", die vor allem größer werden sollte als die Kathedrale in Florenz, konnte nicht verwirklicht werden.

Der Dom Santa Maria

Vorbild für den jetzigen Dom war der Dom in Pisa. Mit dem Bau wurde 1210 begonnen. 100 Jahre wurde an ihm gebaut. Es wurden immer wieder neue Pläne entworfen und umgesetzt.
Das Langhaus der Kirche ist im Innern durch hohe rundbogige Arkaden geprägt; sie ruhen auf quadratischen Säulen.

Marmofußboden als Gemälde

Der Dom in Sienna ist eine der am reichsten mit Bildern ausgestatteten Kirchen. Einmalig und großartig sind die "Gemälde des Marmorfußbodens". Die Arbeiten an diesem Kunstwerk sind seit 1369 dokumentiert.
In dem Bildprogramm des Fußbodens werden in einer Art Weltgeschichte Heidentum, Judentum und Christentum zusammengeführt. Bei unserem Besuch hatten wir Glück: die Marmorintarsien waren nicht abgedeckt, wie meist üblich, um sie vor Abnutzung zu schützen; wir konnte alle sehen.
Im Mittelschiff ist die Siennesische Wölfin zu sehen; sie ist umgeben von den Wappen befreundeter Städte.
Den Berg der Weisheit steigen einige Einsichtige hinauf, die sich von den Reichtümern dieser Welt, irdischen Schätzen, nicht blenden und verlocken lassen.
In den Seitenschiffen senden die Sibyllen verschlüsselte Hinweise auf Christus aus.
In den Querschiffen und im Altarraum ist das Judentum dargestellt. Dem Volk des Alten Testamentes hat sich Gott geoffenbart.

Libreria Piccolomini

1495 stiftete der sienneser Kardinal Piccolomini (später Papst Pius III.) zum Andenken an seinen Onkel Papst Pius II. eine Bibliothek, die die wertvollsten Handschriften seines Onkels aufnehmen sollte. Schon der Eingang zu diesem Raum ist von einer reich verzierten Marmorarchitektur eingefasst. Die berühmten Fresken im Innern des Raumes schildern das kirchenpolitische Wirken von Papst Pius II.; sie wurden von Pinturicchio geschaffen.

Piazza del Campo

Die Piazza del Campo ist ein überraschend weiter Platz. Er ist gestaltet wie ein antikes Theater. Kein Gebäude ist besonders hervorgehoben, auch nicht das Rathaus, der 'Palazzo Pubblico'. Allerdings hat der Turm dieses Stadtpalastes eine einzigartige Bedeutung: wie die Geschlechtertürme des Adels die Unabhängigkeit und Macht einer Familie symbolisieren, so verdeutlicht der Turm des Stadtpalastes die 'Städtefreiheit' von Sienna. Dieser Turm überragt die gesamte Stadt und scheint mit seiner Bekrönung aus hellem Travertim über den Dächern von Sienna zu schweben.
Prägend für das Leben der Menschen in Sienna sind die Nachbarschaftsgemeinschaften, die Contraden. Jede dieser Contraden hat ihr Symboltier, eine Schnecke, eine Schildkröte oder... Es gibt 17 solcher Nachbarschaften, die im Mittelalter Wehr- und Lebensgemeinschaften waren. Seine Contrade begleitet den Siennesen von der Geburt bis zum Tod. Darum hat jede Contrade ihren Schutzheiligen, ihre Kirche, ein Haus der Kommunikation, ein kleines Museum für Siegespokale, einen Brunnen, in dem der Mensch 'weltlich getauft' wird.
Seit 1147 wird auf der Piazza del Campo jährlich der Palio veranstaltet. Es ist ein Pferderennen, ein Wettkampf der Contraden. Die Pferde werden ausgelost, die Paläste geschmückt und am Vorabend des Rennens von jeder Contrade ein Festessen auf den zu erwartenden Sieg hin veranstaltet. Jeweils zehn Contraden sind zum Wettkampf zugelassen - die sieben, die beim vorherigen Wettkampf nicht dabei waren und drei, die zugelost werden.
Der Palio ist ein Fest der Menschen von Sienna. Gäste sind als Zuschauer zugelassen. Auf dem Platz stehen die Menschen in der Mitte dicht gedrängt, um den Reiterwettkampf hautnah zu verfolgen.

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