Aizpute - Hasenpoth

Liepaja - Libau

Auf dem Weg von Klaipėda nach Norden haben wir als erstes eine kurze Mittagspause in Liepāja gemacht. Der Ort taucht 1253 zum ersten Mal in historischen Dokumenten auf. Über Jahrhunderte hieß die Stadt Libau. Liepāja war schon immer eine wichtige Hafenstadt für Güter und Waren.

Während der sowjetischen Besatzungszeit war Liepāja isoliert, eine geschlossene Stadt. Ein Drittel der Stadt war sowjetische Marinebasis mit 26.000 stationierten Soldaten. Einwohner und Besucher brauchten Sondergenehmigungen, um in die Stadt zu dürfen.

Aizpute

Von Klaipėda in Litauen starteten wir am nächsten Tag in Richtung Lettland, unser Ziel war der relativ kleine Ort Aizpute. Dieser Ort geht auf den Deutschen Ritterorden zurück, wie so viele Orte und Städte im Baltikum. Darum sind noch für manche Orte die deutschen Namen bekannt. Aizpute heißt zu deutsch Hasenpoth.

Von unserem Hotelfenster in Aizpute aus hatten wir einen schönen Blick auf die umliegenden Häuser und Gebäude.

Ordensburg

Im 13. Jahrhundert wird Aizpute erstmals urkundlich erwähnt. Dietrich von Grüningen war der Landmeister in Livland des Deutschen Orden. Er ließ 1248 eine Burg bauen. 1253 wurde die Siedlung geteilt, und zwar in einen dem Orden gehörenden Anteil, Ordens-Hasenpoth genannt, und in einen bischöflichen Anteil, Bischofs-Hasenpoth genannt. Die aufblühende Stadt wurde in die Hanse aufgenommen und kam zu großen Reichtum. Der Reichtum ging zurück, als der Hafen der Stadt nach dem Nordischen Krieg geschlossen wurde und die nahe gelegene Stadt Liepāja (dt: Libau) die Rolle als bedeutendes Handelszentrum an der Ostseeküste übernahm.

Singende Revolution

Die ehemalige Ordensburg ist heute nur noch eine baufällige Ruine; es macht den Eindruck, als könnten einen überall Steine auf den Kopf fallen.

Allerdings war diese Burg am Ende der Sowjetischen Besatzung zu Beginn der 90.er Jahre ein sehr wichtiger Ort für die einheimische Bevölkerung: hier haben sich die Menschen getroffen, ihre lettischen, aber auch litauische und estnische Lieder gesungen - Lieder von Freiheit und Frieden, Gerechtigkeit und Recht. Sie sehen und verstehen das Ende der sowjetischen Besatzung als von ihnen eingeleitete "Singende Revolution".

Die Menschen in den drei baltischen Ländern hatten sehr unter der Sowjetherrschaft zu leiden. Es gab kaum eine Familie, aus der nicht Menschen nach dem zweiten Weltkrieg und in den 50.er Jahren nach Sibirien verschleppt wurden. Alles wurde ihnen abgenommen. Vor allem die gebildeten Menschen wurden verschleppt und die, die etwas besessen haben. Es war eine umfassende Unterdrückung.

Allerdings war die Zeit davor unter der Besatzung von Nazideutschland noch grausamer für die Menschen.

Die Angst der Menschen in den baltischen Ländern beruht einmal auf den äußerst schlechten Erfahrungen, die sie unter der Sowjetherrschaft gemacht haben: sie wurden als Menschen niederer Klasse behandelt und unterdrückt. Die zweite Wurzel ihrer Angst liegt in den Ereignissen in der Ukraine mit der russischen Anexion der Krim; denn für die/den jetzigen russischen Herrscher ist Russland dort, wo Russen leben. Und während der sowjetischen Besatzungszeit des Baltikums war es rusische Politik möglichst viele Russen in den besetzten Ländern anzusiedeln.

Beschiffbar

Der kleine Fluss durch Aizpute war sogar schiffbar. Das ermöglichte den florierenden Handel mit dem steigenden Reichtum der Stadt, eine Hansestadt.

Erste Radtour

In Aizpute warteten die Fahrräder auf uns in einem großen Schuppen. Es waren recht gute Kettler-Räder, die uns unser Reiseveranstalter Wikinger-Reisen zur Verfügung stellte. Für jeden Radler gab es auch eine kleine Fahrradtasche.

Der Bus, mit dem wir insgesamt fast 1500 Kilometer unterwegs waren, war im hinteren Teil umgebaut. Die Sitze waren herausgenommen. Dafür war ein Gestell eingebaut, in dem ungefähr 20 Fahrräder Platz hatten und gut gesichert werden konnten. Dafür mussten die Lenker immer gedreht werden; einige ließen sich schon nicht mehr ganz feststellen.

Fahrradwetter

Es dauerte etwas, bis alle Beteiligten ihr Fahrrad auf die eigene Körpergröße eingestellt hatten. Auf verkehrsarmen Wegen fuhren wir los, erfreuten uns an der schönen Landschaft und dem sonnigen Wetter. Wir fuhren ungefähr 25 Kilometer und haben einiges besichtigt und die nötigen Pausen genossen.

Katzdangen

Carl Baron Manteuffel-Szoege wurde am 20. Juli 1872 auf Schloss Gaicken in Kurland geboren; er starb am 3. April 1948 in Traunstein, Bayern. Er war deutsch-baltischer Baron auf Katzdangen sowie Kreismarschall auf Hasenpoth in Kurland.

Das Schloss Katzdangen (Kazdanga) wurde nach der Zerstörung 1905 um 1928 wieder aufgebaut

Nach dem Gymnasium und seinem Studium in Deutschland und in Dorpat kehrte Manteuffel zurück nach Kurland. Er wurde in den kurländischen Landtag von Mitau gewählt und später auch Kreismarschall auf Hasenpoth. Er besaß 14 Güter. Hier führte er soziale Reformen im Zusammenleben mit den Letten auf seinen Gütern durch.

Während der Revolution in Russland im Jahre 1905 wurde ein Großteil seiner Gutshäuser zerstört - so auch Katzdangen. Unter diesem Eindruck begann Baron Manteuffel-Szoege nun Deutsche aus dem Gouvernement Wolhynien anzusiedeln.

Kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges wurde auch er als Deutscher nach Wjatka in Sibirien verbannt. Er konnte 1917 nach Japan fliehen und über die Vereinigten Staaten und Schweden nach Deutschland gelangen.

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